Vertrauen ist nicht käuflich!

Über goldene Käfige und echte Führung

Mit seinen neuen Richtlinien zum Datenschutz, die seit Ende Januar in Kraft sind, hat Facebook mal wieder von sich reden gemacht. Doch neben den Unmengen an Daten, die die Internetkonzerne Facebook, Google und Konsorten über ihre Kunden sammeln, vergisst man leicht, dass diese Unternehmen auch ihre Mitarbeiter auf ungewöhnliche Weise behandeln. Bei Google etwa werden sie in einen goldenen Käfig aus verschiedensten Annehmlichkeiten gesperrt. Von pragmatischen Dingen wie Waschsalons, über Fitnessstudios bis hin zu Köchen, Ärzten und Psychologen finden die Mitarbeiter in dieser Arbeitsumwelt, die einer All-inclusive-Ferienanlage ähnelt, fast alles. Ein Leben außerhalb davon wird nahezu überflüssig. Oder wie es ein Facebook-Mitarbeiter ausdrückt: „All diese Leistungen geben mir das Gefühl, dass meine Familie eine natürliche Erweiterung meines Jobs ist.“ Gruselig, oder? Alles in allem ein Gebaren, das an Sekten erinnert – Abschottung, messianischer Eifer und Erlösungsversprechen inklusive.
Doch ist dieser Aufwand, die Mitarbeiter im Unternehmen zu halten, zweckmäßig? Und kann man davon Bestleistungen erwarten?

Wie gut kennen Sie Ihre Mitarbeiter?

Wie gut kennen Sie Ihre Mitarbeiter?

Zugegeben: wir kennen nicht das ‚Innenleben‘ besagter Konzerne. Aber es steht zu vermuten, dass diese Leistungen nicht ohne ein Kalkül erbracht werden.
Die meisten von uns können es sich wohl ohnehin nicht leisten, Mitarbeiter auf diese Weise zu verhätscheln und an ihr Unternehmen zu binden. Man sollte dabei auch bedenken: eine schöne Arbeitsumgebung alleine kann keinen Mitarbeiter zu seinem vollen Potenzial hin entwickeln. Das funktioniert nur durch Führung, also Gespräche mit dem Mitarbeiter. Für diese Gespräche wiederum ist eine solide Vertrauensbasis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter unerlässlich. Und ist Vertrauen nicht ein viel besserer Grund, sich an ein Unternehmen zu binden?

Vertrauensaufbau: oder wie man seine Mitarbeiter kennen lernt

Wie aber soll man Vertrauen zu seinen Mitarbeitern aufbauen? „Man kann halt nicht mit jedem…“ Wenn Ihnen dieser Einwand in den Sinn kommt, fragen Sie sich mal, woran das liegt! Häufig weiß man einfach nichts über sein Gegenüber und dieses Unwissen wird mit Vermutungen gefüllt, die nicht unbedingt auf Tatsachen beruhen – es entstehen Vorurteile. Um gegenseitiges Vertrauen zu erzeugen brauchen Sie aber Anknüpfungspunkte und Gemeinsamkeiten. Es gibt nur eine Möglichkeit, diese zu finden: Reden Sie mit Ihren Mitarbeitern! Nehmen Sie sich bewusst die Zeit, den einzelnen Menschen kennen zu lernen! Die Grundlage von Führung erwächst aus solchen Gesprächen.

Versäumt man es, sich mit seinem Mitarbeiter auseinanderzusetzen, dann kann das so enden:

Es wird deutlich, dass die Führungskraft rein gar nichts über ihren Mitarbeiter weiß – nicht einmal, dass dieser keine Familie hat. Letztlich kann sie froh sein, dass der Mitarbeiter überhaupt etwas preisgibt, nämlich, dass er gerne Motorrad fährt. Sollte die Führungskraft jemals (!) die Gelegenheit bekommen, ein weiteres Gespräch zum Vertrauensaufbau führen, könnte sie hier anknüpfen.

Doch auch schon im Vorfeld macht die Führungskraft im Video einen Fehler: er ruft seinen Mitarbeiter zu sich ins Büro. Dieser erwartet womöglich das Schlimmste, denn das Szenario verspricht etwa eine saftige Abreibung. Besser wäre hier ein ungezwungener Rahmen für das Gespräch – ein Setting, wie etwa ein Spaziergang. Beim Abschied wird zudem deutlich, dass die Führungskraft wohl Massenabfertigung betreibt – von Zeitnehmen keine Spur.

Auch extrem wichtig: Arbeitsthemen sind definitiv tabu! Es geht ja darum, den Mitarbeiter auf persönlicher Ebene kennen zu lernen. Apropos: Es sind persönliche Themen. Das heißt, dass diese absolut vertraulich behandelt werden müssen – andernfalls missbrauchen Sie das neu gewonnene Vertrauensverhältnis und werden es somit wieder zerstören.

Hier einige ‚Dos’ und ‚Don’ts’ knapp für Sie zusammengefasst:

DO DON’T
  • Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Mitarbeiter – planen Sie wenigstens eine Stunde ein
  • Gehen Sie auf ihn ein und hören Sie ihm zu
  • Versuchen Sie Anknüpfungspunkte zwischen Ihrer beider persönlichen Lebenswelten zu finden
  • Wählen Sie ein möglichst ungezwungenes Setting – ideal ist ein Spaziergang
  • Zeigen Sie echtes Interesse, aber fragen Sie den Mitarbeiter nicht aus
  • Vermeiden Sie Arbeitsthemen
  • Missbrauchen Sie niemals die Offenheit Ihres Mitarbeiters

Die Früchte Ihrer Arbeit ernten

Probieren Sie es aus! Sie werden überrascht sein, wie viele Gemeinsamkeiten sich mit Mitarbeitern finden lassen, von denen man zuvor ein unvollständiges oder gar negatives Bild hatte. Und wenn Sie sich fragen, woher Sie die Zeit nehmen sollen:

Ihre Mitarbeiter zu entwickeln ist Ihre Aufgabe als Führungskraft!

Wenn Sie die weiteren Führungsgespräche nicht auf ein Fundament aus Vertrauen stellen, zieht das später bedeutend mehr (zeitlichen) Aufwand nach sich, als wenn Sie die Zeit für Ihren Mitarbeiter von vornherein investieren (Stichwort: Opportunitätskosten).

Haben Sie es geschafft, diesen Grundstein zu legen, können Sie sich den weiteren Gesprächen widmen. Diese dienen dann der Entwicklung Ihres Mitarbeiters oder haben das Ziel, ihn wieder ‚zurück ins Spiel’ zu holen, sollte er doch mal über die Stränge schlagen.

Key Learnings

Führung funktioniert über Gespräche mit Menschen
Vertrauen ist die Grundlage erfolgreicher Führung
Annehmlichkeiten für die Mitarbeiter sind wunderbar, können aber keine Führung ersetzen
Eine Vertrauensgrundlage erreicht man nur, wenn man sich mit dem einzelnen Menschen auseinandersetzt; nicht, indem man sie sich erkauft

Ausblick

Die anderen Gespräche und weitere Aspekte von Führung werden Sie in zukünftigen Artikeln finden. Das gesamte Thema der Mitarbeiterführung von Morgen wird zudem im Führungsbuch, das diesen Sommer erscheint, tiefer gehend behandelt.

Wenn Sie sich jetzt schon weiter mit Führung und ihren Gesprächen auseinandersetzen wollen und auch praktisch einsteigen möchten, können Sie jetzt schon auf uns zukommen. Lassen Sie uns drüber reden! Mit Gesprächen und Führung kennen wir uns aus.

 

Quellen:

http://wirkt.de/mitarbeiterbindung-werte-und-vertrauen-versus-verfuehrung/
http://wirkt.de/geld-oder-fuehrung/
http://wirkt.de/fuehrung-haupt-oder-nebenrolle-im-unternehmen/
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/google-facebook-evernote-verwoehnen-mitarbeiter-mit-wellness-a-963437.html

Bitte bewerten Sie diesen Artikel:
    [Gesamt: 3 | Durchschnitt: 4.7]