Strategische Unternehmensberatung immer stärker unter Druck

Dass die strategische Unternehmensberatung immer stärker unter Druck gerät, ist für Insider nichts Neues. Die Boom-Jahre sind für McKinsey & Co. offenbar endgültig vorbei. Zwar stehen die Großen in der Branche – Marktführer McKinsey, The Boston Consulting Group oder Bain & Company – im Branchenvergleich auch heute ausgezeichnet da, der Kampf um potentielle Kunden zwingt sie jedoch, ihr Profil zu überdenken. Im Kern geht es dabei um Akquise und Kundenbindung durch zum Teil recht aggressive Wettbewerbsmethoden.

Die Zeichen der Zeit hat McKinsey wohl am klarsten wahrgenommen und unter anderem seine Führungsmannschaft in Deutschland neu aufgestellt. Andere Beratungsunternehmen präferieren Fusionen mit den großen Wirtschaftsprüfungsunternehmen, erst vor kurzem hat sich die renommierte US-amerikanische Strategieberatung Booz & Company unter das Dach von Pricewaterhouse Coopers (PwC) begeben. Aus unserer Sicht ist die Sinnkrise der Branche noch längst nicht ausgestanden. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob die strategische Unternehmensberatung auf lange Sicht überhaupt noch zukunftsfähig ist.

McKinsey – neue Führung, alte Strategie

Die „Testfabrik“ von McKinsey dürfte der Öffentlichkeit bisher kaum ein Begriff sein. Im Institut für Maschinenbau der Technischen Universität in München nutzt die Beratungsfirma eine kleine automatisierte Fertigungsstraße als Demonstrations- und Lehrobjekt für Einsparmöglichkeiten – angeblich von bis zu 30 Prozent pro simuliertem Fertigungsprozess. Die Lernenden sind Manager aus verschiedenen Unternehmen. McKinsey nutzt bei diesem Ansatz unter anderem die Industrienähe des Standorts Deutschland aus – was sich hier bewährt, lässt sich auch in andere Länder exportieren. Um echtes Lernen geht es bei den Simulationsübungen jedoch nur am Rande, viel wichtiger ist es den Beratern, mit ihren Auftraggebern in Kontakt zu bleiben. Weltweit gibt es inzwischen elf solcher Modellfabriken.

Das Konzept hat der frühere Leiter der sogenannten Operation-Praxis für Europa und heutige Deutschland-Chef McKinseys, Cornelius Baur, entworfen. Er hat damit den profitabelsten Bereich des Unternehmens groß gemacht. Die Effizienzlösungen für die Industrie sollen die Auftraggeber außerdem dauerhaft an McKinsey binden. Ein anderes Akquise-Talent ist der McKinsey-Direktor und Automotive-Experte Andreas Zielke, der dafür bekannt ist, an abgeschlossene Projekte immer wieder weitere anzuhängen. Sein Kern-Klient ist derzeit BMW – nach der kostenlosen Evaluierung eines Werks des Autobauers werden nun die anderen Standorte gegen zweistelliges Millionenhonorar durchleuchtet. Die bisherige Strategie McKinseys stellen beide nicht infrage:

McKinsey verkauft seinen Klienten externe Lösungen, welche die Präsenz der Beratungsgesellschaft dauerhaft erfordern.

Neues Selbstverständnis der Wirtschaftsprüfer

Die Wirtschaftsprüfungsunternehmen hoffen dagegen, dass sie langfristig das Rennen in der Beratungsbranche machen. Schon heute sind sie breiter aufgestellt und profitabler als die Strategieberatung. KPMG-Personalchef Wolfgang Zieren macht zudem deutlich, dass sein Unternehmen neue Wege in der Mitarbeiterbindung geht. Die klassische Unternehmensberatung ist bisher auf Verschleiß getrimmt: Wer den Druck nicht aushält und als nicht karrierewürdig gilt, muss gehen. KPMG setzt dagegen – übrigens mit mindestens 1.000 bis 1.500 Neueinstellungen pro Jahr bei insgesamt etwa 40.000 Bewerbern – auf Diversifikation der Anforderungsprofile, den Aufbau möglicher Kandidaten bereits ab dem ersten oder zweiten Studiensemester sowie Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten für talentierte Frauen und ältere Berater. Die Grenzen zwischen den Bereichen Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Consulting sieht er heutzutage als fließend an. Mit seiner Personalpolitik reagiert er sowohl auf Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt als auch innerhalb der Branche sowie auf Kundenseite. Berater benötigen heute nicht nur fachliche Expertise, sondern vor allem soziale Kompetenz.

Unternehmensentwicklungsberatung statt „Wir machen das für Euch“

Durch den Machtkampf zwischen Strategieberatern und Wirtschaftsprüfern tritt die eigentliche Problematik der klassischen Unternehmensberatung womöglich noch deutlicher zutage. Das Credo der Berater lautete bislang: Cost Cutting bis zum Geht-nicht-mehr. Auch die Wirtschaft erkennt heute zumindest ansatzweise, dass es für eine sinnvolle Rationalisierung Grenzen gibt, die durch die Berater jedoch weder angesprochen noch gesehen werden. Aus einer Meta-Perspektive ergeben sich weitere Fragen: Löst die strategische Unternehmensberatung Probleme oder schiebt sie diese auf? Notfalls durch frisierte Zahlen? Schafft sie womöglich vor allem neue Bedürfnisse nach externer Unterstützung und Beratung, die für die Unternehmen teuer werden und sie in Abhängigkeit zu den Beratungsfirmen halten?

Wir meinen, dass bei konventionellen Beratungen beides zutrifft, gleichzeitig wird Wissen aus den Organisationen der Auftraggeber abgezogen und nur noch durch das Beratungsunternehmen vorgehalten. Die Botschaft von McKinsey lautet: Wir machen das für Euch! Die Thorsten Bosch AG formuliert mit ihrer Unternehmensentwicklungsberatung hierzu eine grundsätzliche, innovative Alternative. Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe in Change-Prozessen, indem wir unsere Klienten dabei unterstützen, ihre internen Potentiale zu entwickeln. Strategische Entscheidungen liegen jedoch nicht bei uns, sondern verbleiben grundsätzlich in dem beauftragendem Unternehmen.

Fazit:

  • Die klassische Unternehmensberatung befindet sich in der Krise.
  • Ihr Geschäftsmodell basiert darauf, den Auftraggebern fertige Lösungen zu verkaufen und strategische Entscheidungen abzunehmen, woraus dauerhafte Abhängigkeiten resultieren.
  • Unternehmensentwicklungsberatung in der Definition der Thorsten Bosch AG ist dagegen Hilfe zur Selbsthilfe in Change-Prozessen – ohne externes Herrschaftswissen, bei Wahrung der Autonomie unserer Auftraggeber und mit Fokus auf die Menschen als den eigentlichen Trägern von Veränderungen.

Quellen:
http://wirkt.de/die-anti-mckinsey-wende-unternehmensberatungen-der-krise-teil-1/
http://wirkt.de/die-anti-mckinsey-wende-unternehmensberatung-der-krise-teil-2/
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/boston-consulting-group-unternehmensberatung-hofft-auf-staerkeres-wachstum/9535688.html
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/baur-fuehrt-mckinsey-im-ueberlebenskampf-der-unternehmensberater-a-951828.html
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-02/interview-kpmg-personalmanager-fachkraefte-wirtschaftspruefer
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmensberatung-berater-in-der-sinnkrise-12739908.html

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