Mangelnde Mitarbeitermotivation

24 Prozent der Arbeitnehmer befinden sich in der inneren Kündigung

Der sprichwörtliche Dienst nach Vorschrift wird in aller Regel Behörden und Beamtenseelen zugesprochen. In der Privatwirtschaft sollten zumindest der Idee – und den wirtschaftlichen Erfordernissen nach – Engagement, Leistungsbereitschaft und Teamgeist auf der Tagesordnung stehen. Der „Gallup Engagement Index 2013“ zeichnet allerdings ein anderes Bild. Demnach hat die Mehrheit der Deutschen kaum eine emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber, rund ein Viertel aller Beschäftigten hat sich bereits für die innere Kündigung entschieden. Die Zahlen lassen den Rückschluss zu, dass es um die Mitarbeitermotivation in deutschen Firmen schlecht bestellt ist.

Mit der Studie misst das US-amerikanische Meinungsforschungsinstitut einmal jährlich die Bindung der Mitarbeiter an ihre Unternehmen und lieferte damit zuletzt ein ausgesprochen unerfreuliches Ergebnis. Nur 15 Prozent der Mitarbeiter fühlen sich ihren Unternehmen emotional verbunden und sind deshalb bereit, sich aktiv für die Unternehmensziele einzusetzen. Die restlichen 85 Prozent fühlen sich ihrem Arbeitgeber wenig oder kaum verpflichtet – mit den entsprechenden Konsequenzen für ihr Engagement am Arbeitsplatz. Als brisant erweist sich nicht zuletzt die langfristige Tendenz. Noch 2001 zeigte der Gallup-Report eine umgekehrte Relation. Seinerzeit gaben nur 15 Prozent der Befragten an, sich für die Belange ihrer Firma emotional nicht zu interessieren. Durch den Trend zur inneren Kündigung gehen den Unternehmen beträchtliche Potenziale für ihre Innovationskraft und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit verloren.

Mangelnde Mitarbeitermotivation – Resultat von Führungsfehlern

Personalverantwortliche und Führungskräfte sollten diese Zahlen allerdings nicht zum Anlass für Mitarbeiterbeschimpfungen nehmen. Der Gallup-Report belegt sehr eindeutig, dass die Ursachen für die mangelnde Mitarbeitermotivation in Führungsfehlern liegen. Besonders negativ wirken sich entsprechende Schwächen der direkten Vorgesetzten aus. Gallup-Consultant und Studien-Co-Autor Marco Nink meint, dass neue Mitarbeiter meist hochmotiviert ins Unternehmen kommen und dann einer schleichenden Desillusionierung unterliegen. Auf eine sehr treffende Formel bringt die Düsseldorfer Personalberaterin Heike Cohausz den Stand der Dinge: Menschen kommen zu Unternehmen, verlassen am Ende jedoch Vorgesetzte.

Der Grund dafür ist fast immer, dass sich die Mitarbeiter in ihren Interessen und Bedürfnissen nicht ernst genommen fühlen. Mitarbeiter erwarten von ihren Vorgesetzten positives Feedback, konstruktive Kritik sowie persönliche Wertschätzung und Anerkennung. Wenn die Chefs dieses Bedürfnis ignorieren, folgen daraus Resignation und im ungünstigsten Fall die innere oder auch die reale Kündigung. Dienst nach Vorschrift gehört vor diesem Hintergrund für 61 Prozent der Deutschen zu ihrem Arbeitsalltag – nicht etwa, weil dies ihren persönlichen Vorstellungen entspricht, sondern weil sie „gelernt“ haben, dass sie hierdurch die wenigsten Probleme haben. Als eine besonders stark vernachlässigte Gruppe macht der Gallup-Report ältere Arbeitnehmer aus. Die Firmen fokussieren sich zumeist auf die Förderung junger High Potentials. Wer nicht zur sogenannten Generation Y gehört und/oder nicht explizit deutlich macht, dass er die Fähigkeiten und Ambitionen für eine Karriere hat, wird weder in seinen Leistungen noch in seinen Äußerungen besonders ernst genommen.

Führungsfehler limitieren das Potenzial für Innovationen

Der Gallup-Report belegt, in welchem Maß mangelnde Mitarbeitermotivation und Führungsfehler das Innovationspotenzial von Unternehmen limitieren. Nur neun Prozent der Mitarbeiter mit einer geringen emotionalen Bindung zu ihrem Unternehmen meinen, dass sich ihre Vorgesetzten für ihre Vorschläge und Ideen interessieren. Arbeitnehmer, die sich mit ihrer Firma identifizieren, machen etwa 45 Prozent mehr Verbesserungsvorschläge als die erste Gruppe, 89 Prozent ihrer Ideen führen – sofern umgesetzt – zu Effizienz- oder Umsatzsteigerungen. Aus entsprechenden Vorschlägen der Mitarbeiter mit geringer Bindung resultieren nur zu 73 Prozent messbare Verbesserungen. Um bahnbrechende Innovationen geht es dabei zwar meistens nicht, die Studie zeigt jedoch, dass motivierte Mitarbeiter einen wichtigen Beitrag zur Optimierung von Prozessen leisten.

Welcher Grad an innerer Kündigung ist für Unternehmen tragbar?

Letztlich stehen viele Unternehmen vor der Entscheidung, welchen Grad an innerer Kündigung und realer Fluktuation durch mangelnde Mitarbeitermotivation sie sich leisten wollen. 42 Prozent der Befragten, die keine oder eine nur geringe Bindung an die Firma haben, gaben an, darauf zu hoffen, im Lauf des nächsten Jahres einen neuen Arbeitsplatz zu finden, 93 Prozent der Arbeitnehmer mit hoher Bindung wollen dagegen gerne in ihrem derzeitigen Unternehmen bleiben. Die materiellen und ideellen Effekte des Fehlens von Identifikation und Bindung sind beträchtlich: Zum Aufwand für die Personalbeschaffung kommen Verluste an Know-how und Fähigkeiten sowie der Reputation der Firma als interessanter Arbeitgeber. Zudem leidet unter hohen Fluktuationsraten auch die Motivation der verbleibenden Mitarbeiter meist beträchtlich.

Aus unserer Sicht lassen sich die Ursachen für mangelnde Mitarbeitermotivation nicht nur anhand der Rolle der direkten Vorgesetzten definieren. Zwar stehen diese im engsten Kontakt zu ihren Teams, leiden meist jedoch unter den gleichen Führungsfehlern wie ihre eigenen Mitarbeiter. Ein nachhaltiger Lösungsansatz muss die gesamte Kultur des Unternehmens betreffen – hierfür sind nicht nur das mittlere Management, sondern vor allem die Unternehmensleitungen in der Pflicht.
Hinweise zu den vielen Führungsfehlern finden sie in zahlreichen Artikeln hier im Blog.

Fazit:

  • Mangelnde Mitarbeitermotivation und innere Kündigung sind Realität in vielen Unternehmen.
  • Die Ursachen dafür liegen in Führungsfehlern.
  • Nachhaltig positive Änderungen müssen sich auf die gesamte Unternehmenskultur beziehen, sind also nicht nur Aufgabe des mittleren Managements, sondern vor allem der Unternehmensleitung.

Quellen:
http://www.gallup.com/strategicconsulting/158162/gallup-engagement-index.aspx
http://www.wiwo.de/erfolg/trends/gallup-engagement-index-die-deutschen-kuendigen-zumindest-innerlich/7886996.html

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