Kompetenz und Performancefragen: Führt eine nonkonforme Inszenierung zum Erfolg?

Unsere Mini-Serie zum Thema „Unsinnige Ratschläge für Führungskräfte“ kennen Sie ja schon – heute geht es uns dabei um Kompetenz und Performancefragen. Eine Studie aus Harvard stellt eine provokante These in den Raum: Non-konformes Verhalten und ein ebensolcher Kleidungsstil können sich für Führungskräfte lohnen.

Erhoben wurde die Studie in verschiedenen Bereichen. Die meisten Menschen würden sich in Base Cap und Jogginghose vermutlich eher nicht in einen Luxusladen trauen und mindestens erwarten, dass die Verkäufer sie ignorieren, da sie nicht so wirken, als ob sie sich den Einkauf leisten können. Weit gefehlt: Zwar halten Passanten auf der Straße leger gekleidete Personen für finanzschwächer als Menschen, die formell gekleidet sind. Die Verkäufer rechnen dagegen eher damit, dass der Kunde in der Jogginghose etwas kauft als jemand, der sich für seine Shopping-Tour auf elegante Weise inszeniert.

Spricht Nonkonformität für Kompetenz?

Nationale Unterschiede spielen für solche Wahrnehmungen übrigens keine Rolle: Das Harvard-Team hat für seine Untersuchung mehrere hundert Menschen in verschiedenen, darunter auch einigen europäischen Ländern, interviewt. Außerdem lassen sich die Gedankengänge der Verkäufer auf viele andere Konstellationen übertragen. Studenten meinen, dass ein Professor, der Bart und T-Shirt trägt, sehr wahrscheinlich über größere Kompetenz verfügt als sein anzugtragender Kollege. Wer die Powerpoint-Charts für ein Business-Thema mit einem eigenen Hintergrund versieht, wird für fähiger gehalten als jemand, der sich für eine Standardpräsentation entschieden hat.

Wichtig: Die bewusste Inszenierung

Damit ‚abweichendes Verhalten‘ tatsächlich als ein Indikator für Kompetenz gewertet wird, muss es jedoch als beabsichtigt – also als bewusste Inszenierung – wahrgenommen werden. Für die Kompetenz – Talent, Reichtum oder Wissen – sollte es außerdem für das Erzeugen positiver Resonanz noch einige andere Anhaltspunkte geben. Selbstbewusstes Auftreten kann in dieser Hinsicht hilfreich sein. Außerdem stehen Menschen, die selbst eher nonkonformistisch sind, entsprechendem Verhalten aufgeschlossener gegenüber und erteilen anderen Nonkonformisten dafür eine positive Wertung.

Konformität wird dagegen normalerweise als Garant für Einfachheit und Sicherheit wahrgenommen – im Umkehrschluss birgt aus Sicht der Studienautoren Nonkonformität daher auch Chancen. Anderseits gehen durch sie einige Vorteile verloren, die angepasstes Verhalten mit sich bringt, beispielsweise automatisches Vertrauen oder die Integration in die gemeinsame Identität der Gruppe.

Und welche Handlungsrelevanz ergibt sich nun daraus?

Wir meinen allerdings: Auch wenn diese Studie aufwändig konzipiert wurde und aus Harvard kommt – viel Neues bietet sie ihren Lesern nicht. Beispielsweise werden formale Kleiderordnungen vor allem durch die interne Kultur von Internet- und IT-Start-ups seit langem aufgeweicht. Steve Jobs´ Business-Uniform – Jeans, schwarzer Pullover oder Shirt – waren zu Lebzeiten des Apple-Gründers legendär. Ob ‚abweichendes Verhalten‘ und Kompetenz tatsächlich oft zusammengehen sei einmal dahingestellt – auf Dauer verblasst vermutlich auch der allerschönste Schein.

Dass konventionelle Business-Kleidung auch ein gleichmachendes, integratives Element enthält, ist ebenfalls eher eine Binsenweisheit. Verwertbare Handlungsanleitungen ergeben sich aus einer solchen und vielen vergleichbaren Untersuchungen nicht.

Falls sich jemand nach ihren Ergebnissen richten will und sich für ‚mehr Erfolg‘ in nonkonformer Weise inszeniert, bleiben diverse Fragen offen: Die reale Kompetenz einer Person ändert sich durch einen neuen Auftritt nicht.

Wenn die Kultur des Arbeitgebers für solche Extravaganzen eher nichts übrig hat oder letztere durch eine herausragende Position und für das Unternehmen unverzichtbare Fähigkeiten abgesichert sind, wird die Inszenierung mit großer Sicherheit früher oder später scheitern. Gleiches gilt auch für den Fall, dass die Nonkonformität nicht organisch gewachsen ist und zur eigenen Persönlichkeit überhaupt nicht passt.

Fazit:

  • Viele ‚Anleitungen für Führungskräfte‘ entbehren jeder Handlungsrelevanz.
  • Im dargestellten Fall geht es um die aufwändige Untersuchung eines Wahrnehmungsphänomens, das allenfalls für den ersten Eindruck eine Rolle spielt.
  • Sicher sind selbstbewusstes Auftreten und etwas Eigen-Inszenierung im Business-Alltag nützlich – auf lange Sicht sind jedoch Leistung, nachweisbare Kompetenz und social skills entscheidend.

Quelle:
http://www.manager-magazin.de/lifestyle/stil/business-outfit-psychologie-wann-sich-nachlaessige-kleidung-lohnt-a-959581.html

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